Hoffnung ist die Last der Zukunft. Mit einem solchen Satz könnte ich beginnen, wann immer ich wollte, doch du würdest meiner Figur keinen Glauben schenken. Weil das, wonach ich suche, eine gewisse Autorität erfordert, versuche ich auf ironisch mich über das, was um mich herum passiert, lustig zu machen. Ich bin gereizt. Ich hab noch keinen Roman veröffentlicht, weil ich nicht die Geduld besitze, meine Gedanken zu sortieren. Ich kann alles Mögliche schreiben, aber es erscheint mir lächerlich, Worte wie „Fernseher“ oder „Computer“ in Gedichten zu verwenden. Ich werde jetzt zwei Knöpfe meines Hemdes öffnen und versuchen, meine Haare in einen Zopf zu flechten. Ich brauche dringend eine Zigarette, obwohl ich kein Raucher bin. Die Situation verleitet einfach dazu. Ich bin übrigens ein junger Mann, ich bin sehr lustig, wenn ich alleine bin, und erfinde zahlreiche Szenen, nur um darin eine radikale Haltung einzunehmen. Und wenn eine schöne junge Frau, die Gedichte schreibt, auf mich zukommt, kaufe ich es ihr nicht ab und beginne, sie zu verspotten. Sarkasmus ist im Endeffekt mein liebstes Hobby, und Menschen, jedenfalls die meisten, sind so arglos, so empfindlich, dass sie mich und meine Worte ernst nehmen. Ich vergaß zu sagen, dass ich gerne bunte Kleidung trage, und dass ich ein Piercing habe, das meinen linken Nasenflügel mit meinem rechten verbindet. Nun überlasse ich mich einem Raum, der eng wird, wenn die Vorhänge geöffnet sind, und weit, wenn viele Schatten auf den Boden fallen. Beschreibung ist der Sprache liebstes Spiel.
Der erste Traum:
Auf diesen Wänden kursiert ein idiotischer Geist, der wie meine Mutter riecht, aber ihr nicht ähnlich sieht. Direkt hinter ihm sind Sterne, die ihm folgen, und mit ihrem Speichel die Ecken befeuchten. Alle Bäume, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe, sind kahl, sie schälen sich, aber tragen keine Früchte, nur Frauen. Ich habe sie mit meinen Gedanken geschwängert, damit ich fortfahren kann. Was für eine Abscheulichkeit! Ich spucke aus und nehme meinen Ärmel in den Mund. Nur ein bisschen von ihrem Geruch und ich könnte meinen, menschliche Sünde wäre hier entstanden. Straßenlaternen sehen nie, wer an ihnen vorbeigeht, weshalb sie mir nie sagen werden, wohin sie gegangen ist.
Der zweite Traum:
Was, wenn Busse Wände ohne Fenster hätten? Ich drehe meinen Kopf und finde nur Schatten. Ich verstehe nicht wirklich, was es bedeutet, frei zu sein, solange es Menschen gibt, die meine Handlungen überwachen und einstufen wollen. Sie sagen, „Mach‘, was du willst, aber wir werden dich dafür zur Rechenschaft ziehen“. So sind die großen Städte, sie lassen dich das Gefühl deiner Leere spüren, du bist allem ausgeliefert, doch du bist ein langsamer Mensch.
Der dritte Traum:
Ich höre ein Knacken und realisiere, dass der Strom abgeschaltet wurde. Hahaha, nein, ich bin nicht in Syrien, aber ich möchte aus diesem Haus raus. Ich habe reichlich Zeit, um mit mir selbst zu reden.
Der vierte Traum:
Meine Erinnerung hängt herab wie nasse Straßenlaternen. Ich weiß, dass es weibliche Dinge sind, die man nicht mit mir erörtern sollte, aber die Nostalgie erstickt mich nahezu. Hat sie wirklich heimlich ihre Liebe zurückgenommen, ohne auch nur meinen Namen mit ihr zu nehmen? Meine Liebhaberin war eine Feministin, und als sie realisierte, dass sie nicht alle Frauen von der Notwendigkeit ihres Anliegens überzeugen konnte, verließ sie mich.
Der fünfte Traum:
Glaube an etwas, egal was, unterscheidet sich in seinen Variationen von Hoffnung, und seine Anhänger sind leidenschaftlicher und gleichgültig gegenüber Gerüchten. Ich täusche vor, diese Menschen zu respektieren, weil ich sie nicht konfrontieren kann, und oftmals, wenn sie nicht schon wegen ihrer Überzeugungen gestorben sind, verlieren sie ihr Vertrauen darauf nach und nach, es gibt nicht, wofür es sich zu sterben lohnt.
Der sechste Traum:
Ich bin ein Feigling, der Tragödien und Krieg liebt, und ich sehe Leidenschaft vor allem beim Lügen und in der Schäbigkeit. Der arme und schwache Charakter reizt mich, denn er erinnert mich an meine Menschlichkeit. Wenn ich also eine Prostituierte oder ein weinendes Kind am Straßenrand sehe, greife ich in meinen Mantel und beuge mich herunter, um ihm ein Taschentuch zu geben, das meine tiefe Anteilnahme zeigen soll. Ich bin herkömmlich, ich diskutiere noch über Religion und lerne die Grammatik einer Sprache, ohne mich zu beschweren.
Der siebte Traum:
Ich hatte schon immer Probleme mit den Zeitungsintellektuellen, die sich über mangelnde Zeit beschweren und die Artikel statt Bücher lesen, um kurze Ideen aufzugreifen. Ich kann jene nicht leiden, die in der Literatur das Pronomen „wir“ verwenden und schreiben, als würden sie eine öffentliche Rede halten. Ich hasse sie, weil sie nicht an die Individualität des Menschen glauben und ihre Leser zwingen, sich in einem Kreis zu versammeln, um sie in den Text hineinzuziehen. Ich fürchte sie, weil sie ihr Gewissen mit dem Schreiben beruhigen.
Der achte Traum:
Wer hat die Toten gezwungen, in ihren Gräbern zu bleiben?
Der neunte Traum:
Haha… Straßen können nicht mit den Namen von Frauen umgehen, haha, keine Sprüche der Hoffnung, sondern nur kleine Lampen füllen die Dunkelheit. Haha, eines Tages wird eine Straße nach mir benannt werden. Ich werde nicht um eine Statue bitten, meine Rundungen sind nicht unbedingt wichtig. Hahaha.
Ein aktueller und letzter Traum:
Ich wünschte, ich wäre eine Romanfigur, sodass der Autor für alle seine Sorgen und nutzlose Sprache verantwortlich wäre. Außerdem hoffe ich, dann keine Steuern mehr zahlen zu müssen.
Farah Alnihawi
