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Literally Peace

Präsenz ohne Wirkung, sichtbar ohne Stimme

Während wir morgens im Büro unseren Kaffee tranken, sprach ich mit meiner deutschen Kollegin über die Situation der Frauen in dieser Welt voller Widersprüche. Der Duft des Kaffees erfüllte den Raum, und das Licht des Morgens fiel durch das Fenster auf unsere Gesichter. Alles schien gewöhnlich und doch war es das nicht.

Sie sah mich mit einem scherzhaften Lächeln an und sagte: „Für all dieses Chaos sind die Männer verantwortlich. Würden sie den Frauen die Führung überlassen, wäre die Welt friedlicher und menschlicher.“

Wir lachten gemeinsam, ein Lachen, in dem Ironie und bittere Resignation zugleich lagen.

Ich sagte zu ihr: „Aber in euren Ländern haben Frauen Rechte erkämpft und sind in den Parlamenten vertreten. Eigentlich müsste diese Phase doch längst hinter euch liegen!“

Sie lachte leise und erwiderte: „Obwohl Frauen 35 % der Sitze im Parlament innehaben und obwohl es Ministerinnen gibt und vor ihnen sogar eine Bundeskanzlerin gab, liegt noch ein weiter Weg vor uns.“

„Ein weiter Weg?“, fragte ich. „Was sollen dann wir sagen?“
Für einen kurzen Moment breitete sich Schweigen zwischen uns aus.

Ich fuhr fort: „Die arabische Frau trägt nicht nur die Last der Ungerechtigkeiten ihrer eigenen Gesellschaft, sondern auch die der westlichen Sichtweise. Es geht nicht allein um körperliche oder verbale Gewalt. Ebenso belastend ist das starre Bild, das ihr auferlegt wird, ohne ihre Lebenswirklichkeit wirklich zu verstehen. Und selbst wenn sie Positionen erreicht, die sie sich verdient hat, bleibt ihre Anwesenheit oft symbolisch ohne echte Anerkennung.“

Meine Kollegin nickte zustimmend und sagte: „Dieses Phänomen gibt es auch bei uns. Trotz institutioneller Unterstützung, gesetzlichem Schutz im Arbeits- und Familienleben, guter Bildungsmöglichkeiten sowie des Wahl- und Kandidaturrechts.“

Ich erwiderte: „Das stimmt. Doch die Stimme der arabischen Frau findet oft kein Gehör. Selbst wenn sie vor Kameras als Symbol für Vielfalt und Offenheit präsentiert wird, bleibt sie von den tatsächlichen Entscheidungen ausgeschlossen. In Besprechungen schlägt sie praktikable Lösungen vor, doch das Gespräch gleitet über ihre Worte hinweg. Papiere werden verschoben, Diskussionen überlagern sich. Man hört sie, aber man hört ihr nicht zu. Ihre Präsenz ist sichtbarer als ihre tatsächliche Wirkung.“

Ich fuhr fort: „Auch in der Praxis zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Frau erscheint in Öffentlichkeit und Medien als Symbol einer oberflächlichen Modernität, während die tatsächliche Macht weiterhin in den Händen der Männer liegt. Der eigentliche Mut besteht nicht darin, Entscheidungen zu treffen, sondern überhaupt in ein System einzutreten, das sie lediglich als Symbol akzeptiert.

Selbst wenn sie einen Hochschulabschluss oder langjährige Berufserfahrung besitzt, wird ihr von der Gesellschaft und manchmal sogar von anderen Frauen, die mit dieser Wirklichkeit aufgewachsen sind vermittelt, ihre größte Leistung bestehe darin, den Haushalt zu führen, Kinder großzuziehen und sich innerhalb vorgegebener gesellschaftlicher Grenzen zu bewegen. Mit der Zeit gewöhnt sie sich an eine verkleinerte Rolle, als würde sie der herrschenden Denkweise ein Geschenk machen, anstatt dass ihre politischen oder beruflichen Entscheidungen Anerkennung finden.“

Sie antwortete ruhig: „Ich verstehe genau, was du meinst. Auch hier werden Frauen stereotypisiert und ihre Fähigkeiten, besonders in Politik und Führungspositionen, häufig unterschätzt. Ebenso gibt es den Druck, im Aussehen und Verhalten den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Vielleicht ist dieser Druck bei uns weniger streng als in traditionelleren Gesellschaften, das glaube ich zumindest.“

Ich sagte zu ihr: „Für uns Frauen aus dem Orient wird der Körper zum Maßstab der Bewertung: Wie sehen wir aus? Wie verhalten wir uns? Was tragen wir? Entsprechen wir dem vorgezeichneten Bild oder durchbrechen wir es?

Medien und Gesellschaft beobachten unseren Körper oft genauer als unsere Leistungen. Frauen werden als schwach dargestellt, und wenn eine von ihnen eine verantwortungsvolle Position erreicht, gilt sie nicht als Normalität, sondern als Ausnahme innerhalb einer weiterhin männlich geprägten Ordnung.“

Ich fügte hinzu: „Weißt du, wenn im Westen über die Rechte der arabischen Frau gesprochen wird, wird häufig immer wieder dasselbe Bild reproduziert: die unterdrückte, schwache Frau, unfähig, eigene Entscheidungen zu treffen. Der Blick richtet sich auf das Kopftuch, die Kleidung und das äußere Erscheinungsbild. So wird ihre Persönlichkeit auf ein vorgefertigtes Bild reduziert, ohne ihre Taten oder ihren wirklichen Charakter wahrzunehmen. Als würde ihr Körper die Grenzen ihres Einflusses bestimmen. Und selbst wenn eine arabische Frau erfolgreich ist, heißt es oft, ihr Erfolg sei nur möglich gewesen, weil sie im Westen studiert habe oder dort aufgewachsen sei. Beispiele dafür gibt es viele.“

Meine Kollegin hörte aufmerksam zu und nickte zustimmend. Manchmal spiegelte ihr Gesicht Überraschung über die Tiefe dieser Erfahrungen wider, manchmal Vertrauen und aufrichtige Unterstützung.

Zum Schluss fragte ich: „Kann eine Frau sich von den Bildern und Rollen lösen, die andere für sie entworfen haben, um ihren eigenen, wirklichen Einfluss zu entfalten?“

Lubana Eisha