Wann werde ich lernen, Sachen nicht alleine zu planen? Ich vergesse immer, dass es andere Menschen gibt, die auch etwas tun wollen. “Ich denke an die Party von gestern, er kam schließlich, aber wir tanzten nicht zusammen, Tatsächlich sprachen wir kaum miteinander.” Alle Situationen, die in meinem Kopf vorkommen, werden nur von mir kontrolliert, deshalb sind sie so spannend, weil sie genau so laufen, wie ich es gerne hätte.
Ich habe kein Interesse aus meinem Bett aufzustehen. Ich wünschte, ich könnte den ganzen Tag darin liegen bleiben. Ich mache die Vorhänge auf und schaue aus dem Fenster. Es regnet heftig! Natürlich ändert sich das Wetter jetzt, wenn ich mit meinen Prüfungen an der Uni fertig bin. Während ich die ganze Zeit zuhause war und lernte, schien die Sonne und der Himmel war klar.
Mein Handy klingelt nochmal, anscheinend nur um mich zu ärgern. Ich wollte es vor dem Einschlafen in den Flugmodus schalten, aber ich vergaß. Ich schaue auf den Bildschirm, Es ist meine Chefin! Ich gehe panisch ans Telefon.
“ Ich warte seit eine halbe Stunde auf dich und du bist immer noch nicht da. Ist alles in Ordnung?“ fragt sie.
Schockiert, antworte ich: „ Der Meeting ist heute! Stimmt! Ich habe es in mein Notizbuch, dass wir uns heute treffen, aber in meinem Kopf dachte ich mir, es wäre morgen. Ich habe vergessen, auf meinen Planer zu schauen. Es tut mir Leid. Soll ich jetzt kommen? Oder sollen wir unseren Termin auf einen anderen Tag verschieben? Ich werde diesen Fehler nie wieder machen, versprochen.“
„Wir können den Termin verschieben” sagte sie.
Ein Uhr
Ich fange an, meinen Kaffee zu kochen. Mein Kopf tut mir immer noch weh von gestern Abend.
Meine Mitbewohnerin kommt eilig in die Küche. Sie schenkt sich ein Glas Wasser ein und fragt mich nach meiner Party.
Die Worte fallen mir schwer aus dem Mund, als ich antworte: “Ich weiß es nicht. Ich kann mich nicht entscheiden, wie ich mich genau fühle. Es ist alles verschwommen. Die Ausstellung, die Gemälde, Tangomusik gemischt mit Technobeats, das Bier, der Eistee, der Döner, der Zug. Was geschah vor was?
Sie antwortet: „Ich bin in Eile. Du kannst mir die Details später erzählen, in Ordnung?“
Ich nehme mir die Tasse Kaffee und setze mich gegenüber dem Fenster. Nach eine Weile, ich bin versungen in meinen Gedanken, klingelt die Sprechanlage. Ich stehe auf, um zu antworten und bin überrascht, dass mich am anderen Seite, ein arabischsprechender Mann beleidigt. Dann verschwindet seine Stimme. Erstaunt kehre ich auf meinen Stuhl zurück. Die Sprechanlage klingelt nochmal. Die gleichen unhöflichen Worte in dem gleichen wütenden Ton sind zu hören. Ich werde wütend, aber bevor ich etwas erwidern kann, ist die Stimme wieder weg.
Das dritte Mal, das es klingelt, wächst meine Wut extrem. Ich ziehe meine Schuhe an und gehe die Treppe hinunter, wobei ich schwöre, wenn jemand mit einem arabischen Gesicht vor mir auftaucht, werde ich ihn schlagen – Aber als ich die Haustür meines Gebäudes öffne, finde ich niemanden.
Verärgert gehe ich wieder nach oben und sehe den Postmann vor meiner Tür stehen. Entweder ist er Türke oder Araber (Ich kann sie nicht unterscheiden), aber ich beschließe, dass die wütende Stimme seine sein muss.
Ich konfrontiere ihn direkt, die Worte rauschen aus meinem Mund: „Sind Sie derjenige, der an meiner Sprechanlage geklingelt hat? Ich kann Arabisch verstehen, wissen Sie! Sie sind wirklich unhöflich!”
Der Mann sieht mich erstaunt und verwirrt an und antwortet dann ruhig, aber mit einem schweren Akzent: „ Alles gut bei mir, schönen Tag noch”
Ich schließe die Tür. Meine feurige Wut. Bin ich wahnsinnig? Ich meditiere eine halbe Stunde lang.
Zwei Uhr
Ich liebe mein Zimmer, meine Pflanzen und die Souvenirs, die ich aus allen Ländern, die ich besuchte, sammelte.
Welches Buch werde ich heute lesen? Ich fing letzten Monat mit mehreren Romanen an und weiß nicht, welchen ich jetzt zu Ende lesen möchte. Vielleicht leihe ich mir eine neue Geschichte aus der Bibliothek aus. Ich sollte einen deutschen Roman wählen, da ich jetzt auf Deutsch lesen kann! Alles wird mit der Übung besser, daran glaube ich fest. Amüsiert erinnere ich mich an meine ersten drei Monate im Sprachinstitut. Die Lehrerin gab uns einen Rat: Wir sollten das, was wir brauchen, mit dem bereits gelernten Wortschatz ausdrücken, ohne das Handy oder das Wörterbuch zu benutzen.
Kurz nachdem ich diesen Rat von meiner Lehrerin erhielt, entschied ich eine arabischn Süßigkeit zu backen. Ich ging in den Supermarkt, um die Zutaten zu kaufen. Ich verlaufe mich immer an diesem Ort. Warum haben die Deutschen hundert Sorten von Käse und Brot? Es gibt scheinbar tausende von Marken für Ketchup, Mayonnaise und Nudelprodukten. Ich suche immer nach dem günstigsten Preis für alles und kaufe die Produkte.
An diesem Tag, nach einer langen und erfolglosen Suche nach Milchpulver, sprach ich mit einem jungen Angestellten an und fragte ihn, wo ich es finden könnte.
Da ich das Wort “Pulver” auf Deutsch nicht kannte, beschloss ich, die Methode meines Lehrers anzuwenden. Ich sagte: : “ ich möchte Milch, nicht wie Orangensaft, sondern wie Zucker.”
Er schaute mich seltsam an und antwortete, „Brauchen Sie Zucker?“
Enttäuscht sagte ich: „Nein. Ich wiederhole, ich brauche Milch, aber nicht wie Orangensaft, sondern wie Zucker.“
Er antwortete und sah noch verwirrter aus:“ Möchten Sie Orangensaft? Können Sie mir bitte den Namen auf Englisch sagen?”
Ich tat es, deprimiert, und er sagte,“ Sorry, wir haben dieses Produkt nicht.“
Drei Uhr
Seit eine Weile bewegt sich eine Fliege in meinem Zimmer und ihr Summen stört mich. Ich beschließe sie zu töten.
Ich denke zurück an meine erste Wohnung in Berlin. Gleich nach dem Einzug beeilte ich mich, mein Zimmer zu putzen.
Hinter dem Kühlschrank gab es eine Spinne, so groß wie meine Handfläche. Ich rannte zu der Hausbesitzerin, erschrocken, mit blassem Gesicht. Ich suchte das Wort “Spinne“ auf meinem Handy und halte es ihr ins Gesicht vor die Nase. Sie kam mit einem dicken Tuch und tötete sie, dann sagte: „ Sie müssen sich an die Spinnen gewöhnen. Es gibt hier viele davon!“
Nachdem sie mein Zimmer verließ, machte ich die Tür zu und begann zu weinen. Ich wünschte meine Mama wäre hier.
Ich komme zu den gegenwärtigen Moment zurück. Ich töte die Fliege. Ich lache. „ Warte hier, während ich ein Taschentuch hole und dich in den Müll bringe” sage ich.
Vier Uhr
Ich habe Hunger. Ich werde eine warme Suppe kochen, die mich die Kälte draußen vergessen lässt.
Soll ich meine Mutter anrufen? Nein, ich bin nicht in der Stimmung, mir Heiratsgeschichten von anderen Menschen anzuhören.
Soll ich meinen Vater anrufen? Nein, er wird mich bestimmt fragen, wie es mit meinem Studium läuft!
Stattdessen werde ich Jazzmusik spielen und das Mittagessen vorbereiten.
Fünf Uhr
Ich verstehe nicht, warum Männer so beleidigt sind, wenn ich mit ihnen rede, denke ich. Normalerweise mache ich nur Witze und spreche ohne nachzudenken. Aber nach vielen Versuchen und Selbstbewusstseinsübungen habe ich endlich begonnen, mir die Wörter durch den Kopf gehen zu lassen, bevor ich sie laut ausspreche.
Als ich zum Beispiel gestern tanzte, hörte ich meinen Namen auf den Lippen eines Mannes, der sich mit einer anderen Frau unterhielt. Nach einer Weile ging ich zu ihm hin und fragte Scherzhaft: „Was hast du über mich gesagt?”
Er lachte. Ich glaube, er wusste nicht, dass ich zugehört hatte. Dann antwortete er: “Die Frau, mit der ich sprach fragte mich nach dir. Ich sagte ihr deinen Namen und dass du sehr sexy bist.”
„Danke“, erwiderte ich.
„ Das ist nur ein Trailer“, sagte er „ Wenn du den ganzen Film schauen möchtest, musst du bezahlen.” Und er zwinkerte mir zu.
Ich ließ mir meine Worte durch den Kopf erst gehen, wie ich geübt hatte. Ich kann den Film streamen! Dachte ich und lachte innerlich über meinen eigenen Witz. Unglaublich wie lustig ich bin! Aber natürlich antwortete ich ihm nicht so. Ich habe doch gelernt!
Sechs Uhr
Ich setze mich auf den Boden und stütze meinen Kopf auf meine Arme auf dem Bett. Bin ich in meiner arabischen Kultur akzeptiert? Nein. Kann ich mein Leben wie ein Westler leben? Das glaube ich nicht. Es sieht so aus, dass ich keiner der beiden Gesellschaften zugehöre.
Ich kann nicht verstehen, wie alle anderen Menschen von sich selbst und ihren Gefühlen überzeugt sind, denn ich zweifle an allem, was mich betrifft.
Bin ich wirklich eine ruhige Person geworden, so wie die Leute mich beschreiben? Ich glaube es nicht. Es gibt einen Unterschied zwischen Ruhe und Schweigen. Ich bekomme still wie eine Leiche, wenn ich an die Dinge denke, die mich verletzt haben.
Bilder und Erinnerungen an Krieg, Töten und Flucht drängen sich mir wieder auf. Wie leben die Syrer ihre Tage? Feiern Sie ihre Erfolge, ihre Verlobungsparty, ihre neugeborenen Kinder? Wo verstecken sie ihren Schmerz, um ihn an ihren Gesichtern nicht anmerken zu lassen?
Ein dröhnendes Geräusch von draußen unterbricht meine Gedanken, ähnlich dem Geräusch von Bomben. Ich fang an zu zittern und Tränen steigen mir in die Augen. Dieses Geräusch habe ich seit den Tagen der Bomben in Syrien nicht mehr gehört. Ich schaue sofort aus dem Fenster. Zum Glück ist es nur Feuerwerk. Ich wische mir die Tränen von den Wangen. Ich beschließe, ich gehe heute Abend auch auf eine Tanzparty. Ich will nicht allein mit meinen Gedanken sitzen.
Sieben Uhr
Ich lege meine Kleider auf das Bett, um mir eines auszusuchen. Soll ich heute schwarz tragen oder eine andere Farbe wählen? Grün, Blau, Rot? Ich habe so viele!
Aber heute möchte ich wie ein knallhartes Mädchen aussehen. Also ein kurzes enges schwarzes Kleid soll es sein. Ich glätte meine Haare und trage einen spitzen Eyeliner auf. Ich gehe aus meinem Zimmer und frage meine Mitbewohnerin: „Wie findest du es?“
„du siehst so süß aus!” antwortet sie.
„Nein, ich will nicht süß aussehen. Ich möchte böse aussehen!” protestiere ich. „siehst du nicht meinen Eyeliner?“
Während ich das sage, lache ich und erinnere mich an diesen Tag in Berlin zurück. Es war mein erster Monat in Deutschland. Ich kaufte mir Netzstrümpfe. Ich hatte immer davon geträumt, ein Paar zu haben, aber meine Mutter hatte es mir nie erlaubt. Ich zog sie zu einem kurzen Rock an, trug dunkeln Lippenstift auf und ging zu meinen arabischen Freunden. Damals konnte ich noch überhaupt kein deutsch sprechen. Ich lernte den Weg nachhause auswendig aus: Zug, U-bahn, Bus, dann zehn Minuten zu fuß.
Um elf Uhr nachts wollte ich nach Hause gehen. Alle anderen Leute im Zug auf meinem Rückweg schienen bereit zu ausgehen und feiern.
Nach einer Weile kam eine feste Stimme aus den Lautsprechern. Ich verstand kein einziges Wort. Sobald der Zug anhielt, stiegen alle aus und gingen zum Bahnhof. Also ich dachte mir, dass ich auch aussteigen musste. Aber es war doch nicht die richtige Haltstelle. Verdammt nochmal! Was soll ich jetzt tun? Mein Handy war nur noch zu zwei Prozent aufgeladen. Ich bemühte mich: Du schaffst das! Ich fand auf dem Boden eingezeichnete Pfeile und folgte ihnen.
Als ich die Treppe aus der Station runter ging, fand ich mich in einer Straße voller Betrunkener und roter Lichter. Am Rand des Bürgersteigs gab ein Straßenschild, das ich nicht lesen konnte. Ich sagte mir, dass ich mich daneben stellen würde und ein Bus würde bestimmt kommen.
Als ich dort stand, hörte ich eine Stimme hinter mir, die auf Deutsch sprach. Ich verstand den Mann nicht, deswegen drehte ichmich von ihm weg. Er würde bestimmt weggehen, wenn ich ihn einfach ignoriere, dachte ich.
Nach ein paar Minuten, die sich wie Stunden anfühlten, sagte er etwas, von dem ich merkte, dass es mit: “ mit Bargeld, wenn du willst“ endete. Ich schaute den Mann an, dann um mich herum. Rote Lichter, betrunkene Leute, Bargeld – Was mach ich hier? Ich komme aus einer respektierten Familie!
Ich rief weinend einen Freund von mir und sagte:“ Du musst mich vom Bahnhof abholen. Ich bewege mich nicht, bis du hier ankommst!“
Acht Uhr
Es war eine dumme Entscheidung, am Wochenende auf eine Party in einer anderen Stadt zu gehen. Das würde mir klar, als ich hin und her geschubst wurde und von dem Geschnatter um mich herum taub wurde. Wenn ich doch nur eine Fernbedienung hätte, mit der ich alle im Zug stumm schalten könnte!
Ein Typ aus meiner Universität gefällt mir, aber ich hörte, dass er eine Freundin hat. Ich habe sie aber noch nicht getroffen. Deswegen existiert sie aus meiner Sicht nicht.
Ich erzählte meiner Besten Freundin von ihm, als ich sie besuchte und sie schimpfte mich aus.“ Es ist nicht richtig, einem Mann nachzufolgen, der mit jemand anderem zusammen ist“ sagte sie. „ Das weißt du doch sicher!“
Ja, selbstverständlich! Ich weiß auch, dass ich nur plappere und versuche, mich mit solchen Geschichten abzulenken.
Einmal träumte ich im Schlaf, dass ich in ein riesiges Schwimmbad ging. Der Typ, den ich mag, saß auf eine Sonnenliege. Seine Freundin befand sich im Pool und schwamm auf ihrem Rücken. Als sie sich umdrehte, war sie wörtlich eine Karotte! Sie trug einen Bikini, war geschminkt und hatte falsche Wimpern. Ich rannte auf meine beste Freundin zu und erzählte ihr glücklich, was ich gesehen hatte.
“ Seine Freundin ist kein Mensch, sie ist eine Karotte! Ich kann doch mit ihm ausgehen.“
Als ich aufwachte, sagte sie zu mir: „ Weißt du, dass du im Schlaf lachst? Als ob dir jemand einen Witz erzählen würde.”
Ich habe Kopfschmerzen von all dem Denken. Ich muss damit aufhören. Oh, es sind wieder die Stimmen der Außenwelt, die mir im Kopf rauschen!
Neun Uhr
Was für eine langweilige Party! Ich bin die Einzige, die alleine kommt, alle anderen sind mit ihrem Tanz- oder Ehepartner gekommen. Wie soll ich heute Abend einen Tanz bekommen? Was für ein Pech! Ich beschließe, mein Getränk auszutrinken und zur Party in meiner Stadt zurückzufahren.
Zehn Uhr
Ich beschließe, doch noch zu bleiben. Ich genieße die Musik, und die Party ist sowieso fast vorbei. Ich verstehe nicht, warum die Zeit so schnell vergeht. Es kommt mir vor, als wäre ich gerade erst hier angekommen.
Plötzlich bemerke ich, dass mich ein Typ ansieht. Bilde ich mir das nur ein?! Er kommt auf mich zu. Ja, oui, ich würde gerne tanzen, endlich.
Ich spanne alle Muskeln meines Körpers an, während wir uns auf der Tanzfläche bewegen. Wenn die anderen sehen, wie ich tanze, werden sie mich vielleicht auch zum Tanzen auffordern.
Er tanzt sehr gut, und er sieht auch noch gut aus. Ich glaube, ich bin in ihn verliebt. Ist die Frau, die bei ihm ist, seine Freundin? Ich habe ihn schon mit so vielen anderen Frauen tanzen sehen. Das macht nichts. Das Lied ist zu Ende. Ich bedanke mich bei ihm und gehe zurück an meinen Platz. Irgendwann werde ich die Wahrheit erfahren!
Zwölf Uhr – Mitte Nacht
Der Zug, schon wieder. Ich bin frustriert. Der Geruch von Bier und Schimmel kommt aus dem Atem aller Menschen.
Schwimmen. Ich muss Schwimmunterricht nehmen. Vor zwei Jahren ging ich in das öffentliche Schwimmbad, das zehn Minuten Fußweg von meinem Haus entfernt war.
Ich umkreiste das Becken ein paar Mal misstrauisch. Nach einer Weile wagte ich mich ins Wasser. Ich machte ein paar Schritte hinein, mein Körper zitterte, und die Bademeisterin fragte: „Können Sie schwimmen?“
Ich war mir nicht sicher, aber ich war definitiv nicht gut darin. Ich beantwortete ihre Frage nach ein paar Sekunden des Nachdenkens. „Nein.“
„Dann komm raus aus dem Becken!“, befahl sie lautstark. „Du kannst in einem Schwimmkurs für Erwachsene schwimmen lernen.“
Es gibt keinen Grund zu schreien, dachte ich. Ich dankte ihr und ging weg.
Was noch? Der Glaube, ja. Ich habe einmal mit meinem Chef darüber gesprochen, und er sagte: „Ich glaube, dass es da draußen im Universum etwas Größeres gibt. Ich bin kein Atheist, aber ich bin auch nicht religiös. Was ist mit Ihnen? Glauben Sie, dass es Gott gibt?“
„Ich weiß es nicht“, antwortete ich. „Ich bin mir nicht sicher, was ich denke.“
Ich lächle, als eine weitere Erinnerung an die Oberfläche kommt. Vor einem Jahr war ich an der Universität in eine Diskussion mit einem meiner Professoren verwickelt. Meine Lehrerin erklärte mir die Schwächen meines Designprojekts. „Ich will nicht gemein zu dir sein“, sagte sie, „aber das ist so, als ob du ein Wurstbrot machen willst, also nimmst du zwei Stücke Brot, aber in das Brot legst du noch mehr Brot.“
Ich schaute sie an und sagte: „Aber das ist gemein!“
Alle im Raum lachten, und das Gespräch war beendet.
Ich verstehe nicht, warum die Leute mich so lustig finden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich etwas verpasse, während ich rede. Als ob ich nicht denselben Moment erlebt hätte wie alle anderen.
Ein Uhr Mitte Nacht
Endlich! zuhause. Das Paket, auf das ich gewartet habe, ist auch angekommen! Mein Mixer. Ich bin so aufgeregt. Morgen werde ich eine Menge Saft machen.
Ich beschließe, noch etwas abends Yoga zu machen, bevor ich ins Bett gehe.
Nach meiner Übung lege ich mich auf den Rücken in die Shavasana-Pose. Als ich so daliege, die Augen geschlossen, träume ich, dass ich eine Fee mit durchsichtigen Flügeln bin. Ein Sternenhimmel und ein heller Mond leuchten über mir. Dann geht die Sonne auf und ich fliege ihr ohne Angst entgegen.
Ich besuche Damaskus und sein Umland. Ich sehe das Land, das von Bomben durchbohrt ist. Ich hebe meine Hand und winke ihr zum Abschied. Ich gehe in meine alte Nachbarschaft. Einige alte Freunde aus der Kindheit leben noch dort. Auch ihnen winke ich zu. Ich besuche einige, die mich traurig gemacht haben. Ich vergebe ihnen. Auf Wiedersehen, traurige Erinnerungen.
Ich fliege zu einigen meiner Lieblingsorte und besuche sie.
Als mein Wecker klingelt, komme ich zurück in meine Stadt, in mein kleines Zimmer. Meine Füße landen leise auf dem Boden, und ich öffne meine Augen.
Farah Alnihawi
